Mikrostromgerät im Vergleich: was wirklich zählt

Kurz gesagt

  • Das Wort meint zwei verschiedene Geräte: den Handheld fürs Gesicht und das Therapiegerät mit Klebeelektroden aus der Praxis. Suchst du das falsche, passt alles darunter nicht.
  • Die Mikroampere-Angabe entscheidet fast nichts. Zwischen 335 und 400 liegt kein Unterschied, den du siehst.
  • Das Leitgel gehört zum Gerät. Rechne 30 bis 139 Euro pro Tube mit ein, sonst vergleichst du die halbe Rechnung.
  • Unterscheidbar sind vier Dinge: Aufsätze, Stufen, Gelbindung und Service. Alles andere sind Namen.
  • Sofort sichtbar wird etwas nach der ersten Anwendung, und es hält Stunden. Was bleibt, zeigt sich nach acht bis zwölf Wochen oder gar nicht.

Zwölf Tabs offen, und in jedem steht ein anderer Testsieger.

Das eine Gerät kostet 89 Euro, das nächste 400, und die Beschreibungen lesen sich fast gleich. Straffung, Kontur, Lifting ohne Operation.

Also liest du weiter, bis es Mitternacht ist, und kaufst am Ende gar nichts.

Das liegt nicht an deiner Unentschlossenheit. Es liegt daran, dass in keiner dieser Tabellen steht, woran sich diese Geräte tatsächlich unterscheiden.

Ich komme aus der Biotechnologie und nicht aus der Kosmetik, und meine erste Frage bei jedem Gerät ist dieselbe: welche Angabe auf dem Datenblatt kann ich überhaupt nachprüfen. Bei Mikrostrom fällt die Antwort ernüchternd kurz aus.

Mikrostromgerät meint zwei verschiedene Geräte

Gib das Wort bei Google ein, und du bekommst zwei Produktwelten auf einer Ergebnisseite.

Die eine ist der Handheld fürs Gesicht. Ein Griff, ein oder zwei Metallköpfe, fünf bis zehn Minuten, gedacht für Kinnlinie, Wange und Teint.

Die andere ist ein Therapiegerät aus der Praxis: Klebeelektroden auf der Haut, einstellbare Frequenz zwischen 0,3 und 500 Hertz, Sitzungen von 30 bis 60 Minuten, eingesetzt bei Schmerzen und Entzündungen. Wo die Mikrostromtherapie ursprünglich herkommt, haben wir an anderer Stelle aufgeschrieben.

Beide heißen im Deutschen Mikrostromgerät. Sie teilen den Namen und die Größenordnung des Stroms, und sonst wenig.

Wenn du fürs Gesicht suchst, sortiere alles aus, was Klebeelektroden im Produktbild hat. Das ist der schnellste Filter, den dieser Markt zulässt.

Was der Strom im Gesicht tatsächlich macht

Mikrostrom arbeitet unterhalb dessen, was du spürst. Kein Zucken, kein Kribbeln, wenn alles stimmt.

Zwei Effekte werden dabei ständig durcheinandergebracht. Der eine ist sofort da und entsteht aus Durchblutung und abfließender Gewebeflüssigkeit. Er hält ein paar Stunden. Der andere betrifft die Struktur der Haut, braucht Wochen und kommt nicht bei jeder.

Die Vorher-Nachher-Bilder, die dich beim Suchen anspringen, zeigen fast immer den ersten. Wie sich beides auseinanderhalten lässt, steht ausführlich im Guide zu Mikrostrom im Gesicht.

Für deinen Vergleich heißt das: beim Sofort-Effekt gewinnt kein Gerät. Den bekommst du von allen.

Mikroampere: die Zahl, die überall steht

Wenn ein Vergleich überhaupt eine technische Angabe nennt, dann diese.

Ein verbreitetes Modell liefert 335 Mikroampere, das ist ein Millionstel Ampere. Die Nachfolgeversion kommt auf 340, ein anderes Gerät wirbt mit 400. Therapiegeräte in der Praxis arbeiten zwischen 50 und 600.

Das sieht nach einer Rangliste aus. Es ist keine.

Zwischen 335 und 400 Mikroampere liegt nichts, was du im Spiegel sehen wirst. Die Zahl beschreibt, was das Gerät maximal abgeben kann, nicht was in deiner Haut ankommt. Dazwischen liegen die Leitfähigkeit deiner Haut, der Anpressdruck und vor allem das Gel.

Ein Gerät mit 400 Mikroampere und einer halb eingetrockneten Gelschicht liefert weniger als eines mit 335 und einer ordentlichen.

Das Gel gehört zum Gerät, nicht zum Zubehör

Das ist der Posten, der in keiner Vergleichstabelle auftaucht, und er entscheidet über die Kosten der nächsten beiden Jahre.

Ohne durchgehend feuchte, leitfähige Schicht fließt kaum Strom. Das Gel ist deshalb kein Zubehör, sondern das Stück Strecke zwischen Elektrode und Haut, das du selbst auftragen musst. Wie viel davon nötig ist, steht in der Anleitung zur Anwendung.

Die Preise gehen weit auseinander, von rund 30 Euro für ein einfaches Leitgel bis 139 Euro für eine Herstellertube.

Die entscheidende Frage ist also nicht, was das Gerät kostet, sondern ob es an ein bestimmtes Gel gebunden ist. Eines, das mit einem normalen wasserbasierten Ultraschallgel funktioniert, kostet dich im zweiten Jahr einen Bruchteil.

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Aufsätze, Stufen und App: was davon Arbeit spart

Hier trennt sich, was du im Alltag merkst, von dem, was auf der Verpackung gut aussieht.

Wechselaufsätze sind echt. Ein breiter Kopf für Wange und Hals arbeitet anders als ein schmaler für die Partie um Augen und Mund, und wenn dich beides stört, sparst du dir damit ein zweites Gerät. Sie kosten allerdings häufig extra, teilweise über 150 Euro pro Stück.

Intensitätsstufen sind ebenfalls echt, nur anders, als du vermutlich denkst. Du brauchst sie nicht, um stärker zu behandeln, sondern um am Hals und an dünner Haut zurückzugehen.

Bei Apps wird es dünn. Eine der bekanntesten Hersteller-Apps war in Deutschland lange gar nicht verfügbar, und ein Teil der Programme darin kostet zusätzlich. Ein Gerät, das sich vollständig ohne Telefon bedienen lässt, ist im Alltag das ruhigere.

Erfundene Namen für Wellenformen und Tiefenstufen kannst du überlesen. Sie sind nicht falsch, sie sind nur nicht nachprüfbar. Dieselbe Übung machst du beim Rotlicht-Panel, wo die Wattzahl genau die Rolle spielt, die hier die Mikroampere spielen.

Was die Geräte kosten, und was im Preis steckt

Preis und Wirkung hängen bei diesen Geräten weniger zusammen, als du hoffst. Was sich mit dem Preis ändert, ist der Umfang.

Preisklasse Was meist enthalten ist Woran es häufig fehlt
unter 100 Euro ein Kopf, zwei bis drei Stufen nachprüfbare Angaben, Ersatzteile, erreichbarer Support
150 bis 250 Euro ein bis zwei Köpfe, Leitgel dabei, brauchbare Anleitung eigene Aufsätze für einzelne Zonen
300 bis 500 Euro mehrere Aufsätze, App, aufwendige Verpackung ein Gel, das im Verbrauch bezahlbar bleibt

Was in dieser Tabelle nirgends steht, ist ein Wirkungsunterschied. Den gibt es zwischen den Preisklassen nicht in der Form, in der er verkauft wird.

Dieselbe Spanne findest du bei LED-Masken, wo der Preis ebenfalls kaum etwas darüber sagt, was das Gerät kann.

Die vier Fragen, die du vor dem Kauf beantwortest

Wenn du nur eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann diese vier Fragen. Sie sortieren den Markt schneller als jede Vergleichstabelle.

  1. Welche Stelle stört dich wirklich? Kinnlinie und Wange sind ein Stromthema. Bei Rötungen und unruhigem Teint arbeitet eher das Licht, etwa als Maske für Gesicht und Hals.
  2. Wie oft wirst du das realistisch machen? Unter dreimal pro Woche über zwei Monate passiert wenig, unabhängig vom Gerät.
  3. Was kostet das Gel auf ein Jahr gerechnet? Rechne es einmal aus, bevor du bestellst, nicht danach.
  4. Erreichst du jemanden, wenn das Ladekabel nach acht Monaten stirbt? Diese Frage sortiert den unteren Rand des Marktes am zuverlässigsten aus.

Vier Antworten, und aus zwölf Tabs werden zwei.

Was ehrlich gegen jedes Mikrostromgerät spricht

Die Datenlage für Heimgeräte ist dünner, als der Markt tut. Es gibt Untersuchungen, aber sie sind klein, kurz und an wenigen Personen gemacht. Wer dir an dieser Stelle eine saubere Prozentzahl nennt, verkauft dir gerade etwas.

Der Sofort-Effekt ist echt und am nächsten Morgen wieder verschwunden. Das ist kein Anwendungsfehler, das ist die Bauart.

Ausgeprägte Erschlaffung mit echtem Volumenverlust bleibt eine andere Baustelle, und dagegen arbeitet kein Handgerät, egal was es kostet.

Es gibt außerdem Menschen, bei denen auch acht saubere Wochen nichts Sichtbares verändern. Woran das liegt, haben wir getrennt durchgegangen.

Und ganz aus bleibt jedes dieser Geräte bei Herzschrittmachern oder anderen elektronischen Implantaten, in der Schwangerschaft und bei Epilepsie.

Dass du seit Wochen zwischen zwölf Tabs hängst, liegt nicht an dir. Es liegt daran, dass dieser Markt seine Unterschiede in Namen versteckt, die niemand nachprüfen kann.

Uns ist lieber, du kaufst gar nichts, als dass du etwas kaufst, dessen Datenblatt du nicht lesen kannst. Ein Gerät, das man versteht, liegt nach acht Wochen noch im Bad und nicht in der Schublade.

Nimm dir die vier Fragen und geh damit einmal durch deine offenen Tabs. Die meisten schließen sich von selbst.

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